66,4% – Ein ehrliches Ergebnis

Niclas Dittrich – sachkundiger Bürger und Mitglied der Jusos

Über 150 Jahre waren wir Testosteron geführt. Jetzt, in 2018, haben wir es endlich geschafft eine Frau an die Spitze unserer Partei zu wählen. Man könnte sagen: „Es wurde aber auch Zeit.“
Mit 66,4% hat der außerordentliche Bundesparteitag in Wiesbaden also Andrea Nahles zur Vorsitzenden gewählt. Dazu meinen herzlichsten Glückwunsch. In der Presse liest man aber jetzt von „Ohrfeige“ oder „Klatsche“. Ich denke viel mehr, dass es ein ehrliches Ergebnis ist. Es spiegelt sich in diesem Ergebnis das Kräfteverhältnis der GroKo-Abstimmung wieder. Es zeigt, dass man es mit der Erneuerung ernst meint und sich etwas verändern muss. Für ein Drittel der Delegierten war das ein völlig neuer Kopf an der Spitze unserer Partei. Das ist legitim. Ich bin aber doch einigermaßen froh, dass Andrea Nahles die Abstimmung gewonnen hat. Simone Lange gebührt für ihre Kandidatur ohne Zweifel Respekt. Respekt für den Mut und den engagierten Kampf um Zustimmung. Ich habe bei ihr aber leider nie das Gefühl gewinnen können, dass sie den Laden auch führen kann.
Bei Andrea Nahles habe ich da gar keinen Zweifel. Ich habe auch keinen Zweifel, dass sie die Erneuerung will. Sie hat mit all ihrer Erfahrung die Chance, sich zu beweisen, mehr als verdient.

Jetzt heißt es dann aber auch „ran an die Arbeit“: Im Bundestag die wichtigen Projekte voranbringen, dabei der eigenen Regierung immer auf die Finger schauen und den Erneuerungsprozess gemeinsam mit Lars Klingbeil vorantreiben. Das Ergebnis der ersten Mitgliederbefragung zeigt, dass 34% der Mitglieder sich heute weniger mit der SPD verbunden fühlen, als noch vor einem Jahr. Auch das deckt sich etwa mit dem Ergebnis des Mitgliedervotums. Wenn wir diese Genossinnen und Genossen und da zähle ich mich zu, wieder stärker an die SPD binden wollen, müssen wir diesen Prozess auch tatkräftig unterstützen, damit Fortschritte sichtbar und spürbar werden.

Wir müssen uns überlegen, wie wir die Partei zukünftig organisieren wollen: Soll der Vorsitz der Partei immer noch von Delegierten bestimmt werden, oder macht nicht eine Urwahl Sinn? Wie binden wir das Internet für mehr Mitgliederbeteiligung ein? Mit einer klaren, modernen Parteistruktur schaffen wir die Voraussetzungen für ein modernes Parteiprogramm.
Für das Parteiprogramm stellen sich dann die inhaltlichen Fragen: Wie wollen wir mit der Digitalisierung der Arbeit umgehen? Wie wollen wir Wohlstand für alle erreichen? Wie wollen wir sicherstellen, dass Deutschland auch in Zukunft industriell vorne mitspielt?

Wir haben den Warnschuss vom 24. September 2017 gehört: Es gibt auch für die deutsche Sozialdemokratie keine Ewigkeitsgarantie. Nutzen wir also unsere Chance und unterstützen wir Andrea und den Vorstand bei ihrer Arbeit und bringen wir die SPD wieder auf Kurs.

Glück auf!

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